Leitgedanken zur Ausstellung und Vortragsreihe
Studieren im Krieg. Wenn Zukunft warten muss.
Ansatz und Ziel der Initiative
Die Ausstellung und gleichnamige Vortragsreihe „Studieren im Krieg. Wenn Zukunft warten muss.“ möchte auf den Zustand universitärer Bildung in Kriegs- und Krisenzeiten aufmerksam machen. Sie fragt: Was geschieht mit universitärer Bildung in von Krisen und Kriegen geprägten Regionen? Ist ein Studieren auch in diesen Zeiten noch möglich? Wenn ja, unter welchen Umständen und wie können wir uns diese vorstellen? Wenn nicht, was bedeutet es für ein Land, wenn einer Generation der Zugang zu höherer Bildung verwehrt bleibt? Wie ist der Ausblick auf die Zukunft? Was bedeutet eine aktive Zukunftsgestaltung dann? Welches Wissen nach einem Krieg macht welche Zukunftsgestaltung möglich? Wer sind die Gestalter in Nachkriegszeiten?
Einen ersten Anstoß für die Vorstellung, was Studieren im Krieg bedeuten kann, soll die Ausstellung geben. Vor dem Hintergrund der beiden Tschetschenienkriege, welche durch ca. 40 Kriegsfotografien der Fotografen Stanley Greene, Musa Sadulaev sowie der Fotografin Rumisa T. illustriert werden, sollen Zeitzeugen in Videointerviews über ihre Bildung während der Kriegszeiten berichten. Sie erzählen von ihren Eindrücken und was Bildung bzw. gebildet sein ganz persönlich für sie bedeutet. Da sich die Ausstellung als anregend und für das Thema sensibilisierend versteht, durchzieht die gesamte Ausstellung ein Netz von an die Besucher gerichteten Fragen zu Bildung allgemein, zu höherer, universitärer Bildung, zu ihrer subjektiven Einstellung zu Bildung und speziell zu universitärer Bildung und ihren eigenen Erlebnissen in diesem Bereich.
Ziel der Ausstellung ist es, einen Reflexionsprozess bezüglich des Themas „Studieren im Krieg“ in einer breiten Öffentlichkeit in Bewegung zu bringen, insbesondere jungen Menschen und Studierenden will sie ein Bewusstsein für ihre Bildungschancen vermitteln sowie zu Solidarität mit anderen Studierenden anregen.
Begleitet wird die Ausstellung von einer Vortragsreihe. Diese bietet die Möglichkeit vertiefend das Thema zu betrachten sowie sich aus verschiedenen Perspektiven und Bereichen sich dem Thema zu nähern. Der in der Ausstellung gezeigte Tschetschenienkonflikt dient in diesem Fall nur als ein Beispiel von vielen, wenn Bildung und Krisenzeiten in Zusammenhang gebracht werden. Die Vortragsreihe ist losgelöst von diesem regionalen Schwerpunkt und ist interdisziplinär sowie mit einer breiten Themenvielfalt ausgerichtet.
Als Ziel der gesamten Initiative „Studieren im Krieg. Wenn Zukunft warten muss.“ sind primär zwei Aspekte zu betrachten: Zum einen möchten wir auf jene Situationen aufmerksam machen, in denen Studieren nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist bzw. unmöglich wird und welche Folgen sich für ein Land daraus ergeben. Zum anderen möchten wir an Hochschulstandtorten dazu anregen, diesen Themenschwerpunkt in relevante Wissenschaftsbereiche mit einzugliedern und damit gezielt zu seiner Aufarbeitung beizutragen. Die Dokumentation und Veröffentlichung der Beiträge aus der Vortragsreihe sowie einer größeren Tagung sollen zukünftig als ergiebiger Beitrag für die Beschäftigung mit dem Thema zur Verfügung stehen.
Gestaltung der Ausstellung
Jeder Anstoß ist der Beginn eines Prozesses. So wie auch die Idee und die Beschäftigung mit der Thematik Bildung im Krieg wachsen werden, soll auch die Ausstellung wachsen und sich mit den gewonnenen neuen Eindrücken, Erkenntnissen und individuellen Beiträgen ändern bzw. sich durch das Einfügen dieser dem Erkenntnisstand anpassen. In Berlin wird der Grundstein für die zunächst durch Deutschland wandernde Ausstellung gelegt. Gezeigt werden dort die Fotografien aus den Tschetschenienkriegen, um die Situation des Krieges zu veranschaulichen. Um dem Aspekt der Bildung Ausdruck zu verleihen und um einen interaktiven, das Wachsen der Ausstellung überhaupt erst ermöglichenden Beitrag zu liefern, werden innerhalb der Ausstellungsräume dem Besucher Fragen auf Textilbannern begegnen.
Ein Tisch mit Sitzmöglichkeiten und zusätzlichem Informationsmaterialien, Büchern, Zeitungsartikeln zu dem Thema „Studieren/Bildung im Krieg“, den Tschetschenienkriegen, Bildungsförderung in Krisengebieten und vielen weiteren angrenzenden Bereichen soll die Gelegenheit bieten, sich auf Wunsch innerhalb der Ausstellung intensiver mit dem Thema auseinandersetzen zu können. Ebenso soll dieser Bereich einen Ruhepol liefern, welcher auch den Austausch unter den Besuchern fördert. Wachsen soll die Ausstellung mit Zeitzeugenberichten. Erste Videointerviews mit Tschetschenen wurden bereits angefertigt. Wir möchten eine Vielzahl von Zeitzeugenberichten der Ausstellung beifügen, um so einen individuellen, persönlichen Einblick zu ermöglichen.
Ausrichtung der Vortragsreihe
Die Vortragsreihe soll ergänzend zur Ausstellung inhaltlich vertiefend sich dem Thema „Studieren im Krieg“ widmen. In ihren Beiträgen wird sie jedoch keineswegs eingeschränkt auf diese Thematik sein, sondern eine Vielfalt an angrenzenden Perspektiven und Bereichen aufzeigen. Themenblöcke, die in ihrer detaillierten Vielschichtigkeit in den Vorträgen zum Ausdruck kommen können, aber stets auf das Thema der Initiative zurückführen sollen bzw. einen Beitrag zur Aufarbeitung liefern, sind u.a. Krieg und seine Folgen für die Zukunft eines Landes, Bildungsförderung in Nachkriegszeiten und Krisenregionen, Tschetschenien mit seiner Geschichte, Solidarität und zivilgesellschaftliches Engagement junger Menschen.
