Retrospektive der Wanderausstellung „Studieren im Krieg. Wenn Zukunft warten muss“ in Tübingen
Nachdem die Wanderausstellung ihre Pforten in Berlin am 09. April geschlossen hat, war vom 29. April bis 29. Mai nun Tübingen der nächste Halt der Wanderausstellung. In Verbindung mit Vortragsreihe und Rahmenprogramm hat Studieren Ohne Grenzen e.V. eine breite Öffentlichkeit erreicht.
Während des Ausstellungszeitraums konnten die Besucher an den Nachmittagen von Donnerstag bis Sonntag mit freiem Eintritt die Ausstellung in der Tübinger Shedhalle besuchen und sich mit dem Thema „Studieren im Krieg. Wenn Zukunft warten muss.“ durch Fotografien, Zeitzeugenberichte, Hintergrundinformationen und Literatur auseinandersetzen.
Inhaltlich wurde die Ausstellung für Tübingen um Zeitzeugenberichte aus der Demokratischen Republik Kongo, Tschetschenien und Palästina erweitert. Dabei beantworteten Studenten und Stipendiaten Fragen wie „Was bedeutet mir mein Studium?“, „Wie wäre mein Leben ohne
Studium?“, „Welches Wissen hat mir der Krieg geschenkt?“, „Kann ich an Lernen denken, wenn es um mein Überleben geht?“. Die persönlichen Schilderungen vertiefen dabei das Verständnis für die Lage, die Einschätzungen, Ziele und Wünsche dieser jungen Menschen. Darüber hinaus wird der Besucher auch animiert, sich selbst diese Fragen zu stellen. Neben Tafeln, welche die Antworten
von Studenten und unserer Stipendiaten auf die Fragen darstellen, kamen auch Videointerviews zum Einsatz, die wir vor der Ausstellungseröffnung aus unseren Zielregionen Kongo und Tschetschenien
erhielten.
Die Ausstellungseröffnung fand am 29. April nachmittags im Großen Senat der Universität Tübingen statt. Die Vorträge an diesem Eröffnungstag hatten einen inhaltlichen Fokus auf unsere Projektregionen. Prof. Dr. i.R. Dietrich Beyrau vom Institut für osteuropäische Geschichte und Landeskunde beleuchtete aus wissenschaftlicher Sicht die geschichtlichen, politischen, sozialen und ethnischen Hintergründe der Konflikte in der Kaukasusregion. Er führteuns vor Augen, in welchen komplexen Zusammenhängen ehemalige Krisen- und Kriegsgebiete zu analysieren sind. Danach lieferte uns Herr Herbert Rädler vom Entwicklungspädagogischen Informationszentrum Reutlingen anschauliche Einblicke in seine langjährige praktische Erfahrung als ehemaliger Entwicklungshelfer, unter anderem
im Kongo. In seiner Rede brachte er uns näher, was Bildung je nach Lebenssituation vor Ort konkret bedeuten kann und erweiterte somit den Bildungsbegriff auf eine interessante Art und Weise. Eine anregende Fragerunde bildete den Abschluss dieses Nachmittags.
Während des Eröffnungsabends in der Shedhalle, an dem wir circa 200 Besucher verzeichnen konnten, machte uns Herr Ulrich Jäger vom Tübinger Institut für Friedenspädagogik deutlich, dass Bildung nicht unbedingt Frieden implizieren muss, sondern mehr Variablen innerhalb dieses Wirkungszusammenhangs betrachtet werden müssen. Um Frieden durch Bildung zu ermöglichen sind daher, neben der Schaffung eines Freiraums für Dialog und des Abbaus von Vorurteilen, pädagogische Werkzeuge und Vorgehensweisen nötig. Die Eröffnung war sehr gut besucht und wir konnten das Publikum, bestehend aus Studenten, Mitgliedern, interessierten Tübingern und Pressevertretern, für die Thematik gewinnen und von unserer Vereinsarbeit überzeugen.
Die Gesprächsrunde am 14. Mai mit Zeitzeugen bzw. Studenten aus dem Kongo, Irak, Palästina und Algerien, sowie rund 90 Besuchern zeigte, wie unglaublich wichtig ein Dialog sein kann und dass eine grundlegende Sensibilisierung oft nur durch persönliche Schilderungen, Gespräche und Emotionen ermöglicht werden kann. Die zum Teil sehr berührenden Lebensgeschichten der Teilnehmer und die nüchterne Darlegung der Lebens- undStudiensituation in Krisen- und Kriegsgebieten, ermöglichten ein tieferes Verständnis und waren sowohl für uns als aktive Mitglieder als auch für die Besucher des Abends eine aufschlussreiche Erfahrung. Der Zuspruch und das Vertrauen der Teilnehmer der Gesprächsrunde, das wir erfahren durften, haben uns gezeigt, dass wir mit unserer Vereinsarbeit auf dem richtigen Weg sind.
Als abschließender Programmpunkt der Wanderausstellung in Tübingen diente ein Benefizkonzert der Liedermacher Töpelmann & Erben aus Baden-Württemberg. Tiefgründige und humorvolle Zeilen mit gesellschaftskritischem Unterton in einem musikalischen Rahmen zwischen Folk, Reggae, Blues und Rock ergründeten das Thema der Ritterlichkeit in unserer Gegenwart. Den knapp 60 Besuchern wurde eine große Vielfalt an Liedrepertoire geboten und zudem stellten die Lieder zum Teil inhaltliche Anknüpfungspunkte zu Themen der Ausstellung her und ließen beim letzten Besichtigen der Ausstellung neue Sichtweisen zu.
Abschließend kann man sagen, dass die Wanderausstellung in Tübingen ein voller Erfolg für uns war. Neben der grundlegenden Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Thematik, konnten auch wir als aktiveMitglieder tiefere und auch neue Erkenntnisse im Hinblick auf unsere Zielregionen und Stipendiaten gewinnen, was unsere Arbeit bereichern und voranbringen wird.
