Hintergrundinformationen zu Afghanistan

Allgemeines

Viel ist bereits in den deutschen Medien über die Problematik in Afghanistan geschrieben worden. Insbesondere die Beteiligung deutscher Soldaten an der ISAF-Mission ist ein aktuelles Thema in der Berichterstattung. Leider wird selten auf die Bildungsproblematiken oder auf  die Bildungschancen, in diesem vom Krieg versehrten Land eingegangen. Afghanistan ist von der Bevölkerungsstruktur ein sehr junges Land, circa 45% der Bevölkerung sind 14 Jahre und jünger. Dies allein zeigt, wie wichtig eine gute Bildungssituation für Afghanistan ist, denn diese jungen Menschen werden in wenigen Jahren das Land formen und gestalten. Damit dies erfolgreich geschehen kann, ist eine solide und fachlich fundierte Ausbildung unabdingbar.

Bildungssituation

Die generelle Bildungssituation in Afghanistan ist derzeit als sehr schlecht einzuschätzen. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die bildungspolitische Geschichte Afghanistans erstaunlich. Es eröffnete etwa bereits 1904 die erste säkularisierte Schule nach westlichem Vorbild ihre Tore. 1932 wurde die erste Universität in Kabul gegründet. Insbesondere in den größeren Städten Afghanistans wie Kabul und Herat erreichte das Bildungswesen Ende der sechziger Jahre seinen vorläufigen Höhepunkt mit der Gründung zahlreicher Schulen und der gleichberechtigten Teilnahme an Vorlesungen von Frauen und Männern. Mit dem Sturz des Königs Zahir Schah 1973, der Ausrufung der Republik, dem beginnendem Bürgerkrieg und der russischen Invasion im Jahr 1979 flohen viele Intellektuelle in Nachbarländer oder starben in Folge des Krieges. Sowohl die Zerstörung der Infrastruktur als auch die Erosion der Staatlichkeit beschleunigten den Prozess des Zerfalls des Bildungswesens.

Auch das Aufzwängen des russischen Bildungssystems, welches der kulturellen Situation in Afghanistan in keiner Weise Rechnung trug, führte zu einem Rückgang der Einschreibungen an Schulen und Universitäten und trug zu einer weiteren Entfernung der Afghanen von ihrem einstigem Bildungspotential bei. Mit der Machtergreifung der Taliban 1996 wurde es Frauen vollständig verboten, die Schule zu besuchen. Bildung wurde fortan hauptsächlich von Koranschulen, sogenannten Madrassen, geleistet und beschränkte sich auf die Lehre des Korans und einfache Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse.

Die Bildungssituation hat sich seit dem Sturz der Taliban 2001 substantiell verbessert, allerdings weiterhin auf einem nicht befriedigenden Niveau. Momentan sind circa 7 Millionen Schüler in den afghanischen Schulen eingeschrieben, wovon 37% davon Mädchen sind.

Ein Vielvölkerstaat

Afghanistan ist ein multiethnischer und vielsprachiger Staat. Es werden circa 49 verschiedene Sprachen gesprochen und die beiden großen Landessprachen Dari und Paschtu sind als offizielle Amtssprachen anerkannt. Paschtunen stellen die größte ethnische Gruppe in Afghanistan mit etwa 42% der Bevölkerung dar, gefolgt von Tadschiken, welche 27% der Bevölkerung repräsentiert. Es gibt weitere große ethnische Gruppen wie beispielsweise die Aimaken, Turkmenen, Hazara, Usbeken oder auch das Nomadenvolk der Kuchi. Diese ethnische Vielfalt ist auch die willkürliche Grenzbildung durch die englische Kolonialisierung bedingt, welche beispielsweise durch die Durand-Linie zwischen Afghanistan und Pakistan das Siedlungsgebiet der Paschtunen teilt.

Gesellschaft

Das Fehlen einer intellektuellen Elite und eines nur schwach ausgeprägten Bürgertums in Afghanistan, bedingt durch die Flucht dieser Gruppen wegen der Kriege, führt zu einem Mangel an qualifiziertem Nachwuchs in Afghanistan. Doch nur mit gut ausgebildeten und effizienten Strukturen und erfolgreichen Unternehmen kann wirtschaftlicher Fortschritt und eine spürbare Verbesserung der Lage der Menschen erreicht werden. Daher wollen wir die Gestalter von morgen fördern, um nachhaltigen Wohlstand auf einer soliden Basis zu ermöglichen.