Mweso, Nordkivu - Hintergrund

Nordkivu, jene oft genannte Region im Osten des Kongo, vereint viele Gegensätze in sich: Fruchtbare Böden, mildes Klima und ethnische Vielfalt, aber auch eine traumatisch-gewaltsame Vergangenheit mit Milizen und Flucht, Hunger und Armut.

Etwa 130 km entfernt von den Turbulenzen der Provinzhauptstadt Goma liegt Mweso inmitten einer milden Hochebene, die aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Schätze früher einmal die „Schweiz Afrikas“ genannt wurde. Früher, das war vor den Kongokriegen, vor der Zerstörung des menschlichen und agrarischen Potenzials der Region. Heute hungern hier Flüchtlinge auf fruchtbarem Boden.

Auch nach dem Kriegsende 2003 hat sich die Gewalt in Nordkivu kontinuierlich fortgesetzt, aktuell gibt es etwa 300.000 Binnenflüchtlinge in der Provinz. Obgleich vielerorts die Rückkehr im Gange ist - allein 2009 machten sich in Nordkivu 61.500 Menschen aus 7 Flüchtlingslagern auf den Weg in ihre Heimat - beherbergt der gesamte Osten des Kongo noch immer etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge.
Armut und Arbeitslosigkeit in der Region sind sehr hoch, die Infrastruktur ist schlecht, viele Straßen und Brücken wurden zerstört, öffentlicher Transport ist kaum vorhanden. Ein Fußmarsch von Goma nach Mweso dauert mehrere Tage, allein mit dem Motorrad lässt sich die Strecke in etwa fünf bis sechs Stunden bewältigen. Auf ein funktionierendes Strom- und Wasserversorgungssystem kann nicht zurückgegriffen werden, vereinzelt sorgen Transformatoren für Elektrizität gegen Bezahlung. Wirtschaftlich gesehen ist die schlechte Infrastruktur auch dafür verantwortlich, dass importierte Waren sehr teuer und ein preisgünstiger Export praktisch unmöglich sind.


Ernährung / Agrarische Situation

Obwohl das landwirtschaftliche Potenzial der Region weiterhin erstklassig ist, beschränkt sich die Region nach zehn Jahren Krieg mittlerweile weitgehend auf Subsistenzwirtschaft. Vielen der Kriegsheimkehrer und Verbliebenen fehlen entsprechende Kenntnisse: Insbesondere mangelt es an qualifizierten Agronomen, die landwirtschaftliches Wissen selbst weitergeben können.
Laut der demographischen Gesundheitserhebung der WHO von 2007 sind zwar auch die östlichen Provinzen des Kongo inzwischen außerhalb des Gefahrenbereichs einer akuten massenhaften Unterernährung. Doch Flucht und Vertreibung wirken sich bis heute aus: Aufgrund von Missmanagement und der Zerstörung von Produktionsmitteln sank das BIP des Agrarsektors in der Periode von Krieg und Flucht erheblich. Parallel jedoch wurde die Landwirtschaft durch den Kollaps des Bergbaus und der verarbeitenden Industrie immer wichtiger für das Land. Inzwischen werden die Vernachlässigung des Sektors und die mangelnde Koordination eines unerfahrenen Landwirtschaftsministeriums deutlich.

Die Ausbildung von Agronomen, die eine nachhaltige Landwirtschaft in der Region betreiben und durch ihr Wissen zum Wiederaufbau des Agrarsektors beitragen können, ist daher von großer Wichtigkeit. Wenn das Potenzial der fruchtbaren Landschaft in Nordkivu richtig genutzt würde, könnte dies die Lebenssituation der Menschen in der Region erheblich verbessern. Mit unserem Stipendienprogramm setzen wir an eben diesem Punkt an und ermöglichen jungen Menschen in und um Mweso ein agrarwissenschaftliches Studium, damit sie zu Wegbereitern der landwirtschaftlichen Entwicklung ihrer Heimat werden können.